Am Bärentrail wanderst du von Naturwunder zu Naturwunder und von Ort zu Ort. Und diese Naturschauplätze sind tatsächlich entdeckens- und erlebenswert: Moosbewachsene Granitfelsen, unten großen Steinen verborgene Wasserfälle, urtümliche Moore, stille Waldflüsse, duftende Wälder, viel Frieden, Ruhe und Grün. Das Waldviertel eben.

Wir stellen dir hier die besonderen Naturschauplätze entlang des Bärentrails vor.
Gleich vorweg, es handelt sich um: die Waldmoore an der Waldviertler-Grenze, das Tanner Moor, den Höllfall, die Schlucht am Großen Kamp, die Schütt, den Lohnbachfall und die Meloner Au.
Und jetzt alles der Reihe nach…

Naturdenkmal Höllfall
Der versteckte Wasserfall

Der Große Kamp rauscht über mehrere hundert Meter durch ein enges, von moosbewachsenen Granitmauern durchsetztes Tal. Dieser wilde Ort wird treffend „Höllfall“ genannt. Das Flussbett ist teilweise durch gewaltige Felsen verblockt, sodass die Wasserfälle meist nur zu hören, aber nicht direkt zu sehen sind. Die eindrucksvollen Granitfelsen sind die Überreste eines uralten Gebirgs-Fundaments: Im Waldviertler Granit tritt ein Tiefengestein in seiner ursprünglichen Lagerung zu Tage. Die runden Kluftkanten und Felsformen wurden durch die Verwitterung unter der Oberfläche geformt („Wollsackverwitterung“) und sind nicht das Produkt von Gletschern – das Waldviertel war während der Eiszeiten eisfrei.

Entlang des Ufers wächst ein naturnaher Schluchtwald mit teilweise sehr betagten Baumriesen. Die landschaftliche und ökologische Bedeutung des Höllfalls wird dadurch unterstrichen, dass er sowohl als Naturdenkmal als auch als Europaschutzgebiet unter Schutz steht. Bitte die rutschigen Steine im Flussbett nicht betreten, um die Vegetation zu schonen und Verletzungen zu vermeiden!

Naturdenkmal Lohnbachfall
Ein Ort wie aus einer anderen Zeit

Der Lohnbach tost hier durch eine wild-romantische Schlucht, die eine markante Granit-Barriere durchbricht. Auf Grund der Steilheit und Unzugänglichkeit des Geländes ist die Lohnbach-Schlucht mit ihren Felsen und Hangwäldern auch heute noch in einem naturnahen Zustand und vermittelt eine Ahnung von der ursprünglichen Natur des Waldviertels. Die Stromschnellen sind teilweise stark verblockt. Zuweilen ist nur das Rauschen des Baches unter den mächtigen Felsen zu hören. Nach Regenfällen oder zur Zeit der Schneeschmelze schwellen die Wasserfälle mitunter mächtig an. In kalten Wintern bilden sich bizarre Eisgebilde. Der Lohnbachfall ist ein besonderer Ort. Daher wurde die Schlucht als Naturdenkmal ausgezeichnet und ist Teil des Europaschutzgebietes „Waldviertler Teich-, Moor- und Heidelandschaft“.

Ein gesicherter Steig führt durch die Wald-Schlucht. Achtung: Trittsicherheit nötig! Bei Schnee und Eis ist der Steg sehr rutschig und daher gefährlich! Begehen auf eigene Gefahr.
Oberhalb des Lohnbachfalls gabelt sich der Bärentrail: Du kannst dich entscheiden, ob du nach Altmelon weitergehen (ca. 2,5 Stunden) oder ob du in etwa 30 Min. Pretrobruck erreichen willst. Im Gasthof Seidl lässt es sich vorzüglich speisen. Du kannst hier auch übernachten.

Naturdenkmal Blockmeer Schütt
Unter Granitfelsen verschütteter Waldfluss

Oberhalb von Rappottenstein fließt der Kleine Kamp durch weltabgewandte Talabschnitte, die mit großen Granitfelsen übersät sind: Die „Kleine Schütt“ bzw. die „Schütt“. Die Kraft des Wassers hat hier unzählige Granitbrocken aus dem Fundament des uralten Gebirges der böhmischen Masse herausgelöst. Die runden Kluftkanten und Felsformen entstanden durch „Wollsackverwitterung“ unter der Oberfläche. Erst später wurden die Felsen freigelegt. Die abgerundeten Felsen sind also keine „Gletscherfindlinge“, das Waldviertel war in der Eiszeit nicht von Gletschern bedeckt. Das Granit- und Gneishochland ist der geologisch sehr alte Abtragungsrest des einst gewaltigen „variszischen Gebirges“, das vor etwa 350 bis 300 Millionen Jahren entstanden ist. Das Gebirge des Ur-Waldviertels war ursprünglich einige Tausend Meter hoch. Im Gestein entstanden waag- und senkrechte Entspannungsrisse, die kantige, rechteckige Blöcke bildeten. Durch diese drang Wasser ein und begann das Gestein zu zersetzen. An den Ecken und Kanten haben Wasser und Säuren mehr Angriffsflächen als an den Seiten. Dadurch werden die spitzen und kantigen Stellen der Felsen allmählich abgerundet.
Die „Kleine Schütt“ ist ein malerischer Flussabschnitt bei Rappottenstein, der mit großen Granitfelsen verblockt ist. Am Felshang nördlich davon wächst ein für diese Region seltener naturnaher Mischwald. Als „Schütt“ wird ein mit Felsbrocken übersäter, etwa 500 Meter langer Abschnitt des Kleinen Kamp ca. 3 km oberhalb von Rappottenstein bezeichnet. Bei Niedrigwasser verschwindet der durch Huminsäuren bernsteinbraun gefärbte Fluss völlig unter den moosbewachsenen Steinen. Der Kleine Kamp und seine Ufer wurden als Naturdenkmal ausgezeichnet und sind Teil des Europaschutzgebietes „Waldviertler Teich-, Moor- und Heidelandschaft“.

Tanner Moor
Urzeitlicher Latschenfilz

Das Tanner Moor ist ein großteils unberührtes Hochmoor in der Nähe von Liebenau in Oberösterreich. Es wird ausschließlich durch Regenwasser gespeist. Das heißt: Es fällt hier das ganze Jahr mehr Regen als abfließt und verdunstet. Dadurch gedeihen torfbildende Pflanzen wie Sphagnum-Moose . Wenn diese Moor-Pflanzen absterben, bilden sie Torf. Das Tanner Moor entstand vor etwa 11.000 Jahren, nach dem Ende der letzten Eiszeit. Seit damals konnte es sich nahezu unbeeinflusst durch den Menschen entwickeln. Ein echtes Stück Urlandschaft! Moore sind extreme Lebensräume (Nährstoffarmut, starke Temperaturunterschiede) und können nur von hoch spezialisierten Arten bewohnt werden. Weil intakte Moore so selten geworden sind, stellen sie letzte Überlebensinseln für etliche bedrohte Tier- und Pflanzenarten dar.
Mit 120 Hektar ist es eines der größten Latschen-Hochmoore Österreichs und wird als Natur- und Europaschutzgebiet ausgezeichnet. In der Mitte der intensiv nach Moos, Torf und Latschen duftenden Moorfläche befindet sich ein Aussichts-Hochstand. Ein rund sechs km langer Moorwanderweg führt vom Rubner Teich (Bademöglichkeit, dunkles Moorwasser, Jausenstation) durch das faszinierende Moor.

Schlucht am Großen Kamp
Die versteckte Wildnis

Oberhalb der einsamen Heumühle fließt der Große Kamp durch eine wilde, nahezu unzugängliche Schlucht. Die Kräfte des Wassers haben hier große Gesteinsbrocken aus dem Fundament des alten „variszischen Gebirges“ herausgelöst. Der Fluss ist abschnittweise vollständig unter den Felsen verborgen. Nur das Tosen des Wassers ist noch zu hören. An den Hängen wächst ein naturnaher Schluchtwald mit alten Fichten, Birken und Kiefern. Die Kamp-Schlucht ist ein außergewöhnlich naturnaher Ort und lässt erahnen, wie das Ur-Waldviertel einmal ausgesehen hat. Das Granit- und Gneishochland des Waldviertels ist der geologisch sehr alte Abtragungsrest des einst gewaltigen „variszischen Gebirges“, das vor etwa 350 bis 300 Mio Jahren entstanden ist. Das Gebirge des Ur-Waldviertels war ursprünglich einige Tausend Meter hoch. Die abgerundeten Felsformen entstanden durch unterirdische „Wollsackverwitterung“ und nicht durch Gletscherschliff.

Die Kamp-Schlucht ist ein besonders ursprünglicher Ort. Daher bleib bitte am Weg, um den Pflanzenreichtum zu erhalten. Lass den hier lebenden Tiere ihre Ruh und mach keinen Lärm. Und hinterlasse nichts als deine Fussabdrücke am Weg…

Versteckte Moore im Wald
Moore im Waldviertler Grenzland

An der Grenze des Waldviertels zu OÖ befinden sich mehrere Hoch-, Übergangs- und Niedermoore im Wald. Die einsamen Moore im Europaschutzgebiet sind nicht durch Wanderwege erschlossen. Teile der Moore wurden früher entwässert, heute dürfen sich die natürlichen Prozesse wieder frei entfalten. Viele hoch spezialisierte Tier- und Pflanzenarten finden in diesen seltenen Ökosystemen ihre letzten Überlebensinseln. Der Bärentrail führt durch das im Wald versteckte Waldhofmoor. Teile davon wurden früher abgetorft. Ein Abstecher führt zum früheren Torfstich. Bitte die Moorflächen nicht betreten!

Moore sind echte Boten der Urzeit und viele seltene, hoch spezialisierte Tier- und Pflanzenarten finden in diesen extremen Ökosystemen letzte Überlebensinseln. Moore entstehen in flachen Senken oder Sattelverebnungen – durch Vernässung oder durch Gewässerverlandung. Moose, Wollgräser oder Seggen verrotten in dem nassen und kalten Boden durch Luftabschluss nicht vollständig und werden so zu Torf. Dieser Prozess dauert sehr lange: Torf wächst etwa 1 mm pro Jahr. Hochmoore wachsen auf diese Weise langsam über das Niveau des Grundwasserspiegels hinaus.

Meloner Au
Wundersame Moor-Welt

Die Meloner Au ist ein einzigartiger, international bedeutender Moorkomplex aus verschiedenen Hoch-, Übergangs- und Niedermoor-Gesellschaften sowie ursprünglichen Moorwäldern: Latschenhochmoore, Rotföhren- und Fichten-Niedermoore mit offenen Flächen. Moore entstehen durch Vernässung sowie durch Gewässerverlandung. Moose, Wollgräser oder Seggen verrotten in dem nassen und kalten Boden durch Luftabschluss nicht vollständig und werden so zu Torf. Dieser Prozess geht sehr langsam vonstatten: Torf wächst etwa 1 mm pro Jahr.
Intakte Moore sind echte Boten der Urzeit: Sie entstanden bereits nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 11.000 Jahren. Sie sind überaus wertvolle Archive der Natur. Diese extremen Lebensräume – es gibt wenig Nährstoffe, ein sehr saures Milieu und starke Temperaturunterschiede – werden von hoch spezialisierten, meist akut bedrohten Arten besiedelt. Moore sind außerdem wichtige Wasserspeicher. Durch die Umwandlung des CO2 aus der Atmosphäre in langlebigen Torf speichern Moore mehr Kohlenstoff als jedes andere Ökosystem der Welt. Moorschutz ist daher auch wichtig für den Klimaschutz. Fast alle unsere Moore wurden abgetorft bzw. durch Gräben entwässert und in Nutzland umgewandelt. Torf diente früher oft als Brennstoff, etwa für die Glaserzeugung. Daher sind lebende Hochmoore oder sich regenerierende Moorstandorte heute selten geworden und ökologisch sehr wertvoll. Wenn die Entwässerungsgräben abgedichtet werden, können sich auch geschädigte Moore allmählich wieder erholen. Die Meloner Au wird aus diesem Grund als Natur- und Europaschutzgebiet bewahrt. Der Bärentrail führt entlang des bestehenden Wanderweges durch das Naturschutzgebiet. Laut Verordnung der NÖ Landesregierung über das Naturschutzgebiet Meloner Au darf der Wanderweg durch das Schutzgebiet nur in der Zeit zwischen 20. Juni und 30. November benutzt werden (Schutz der Birkhühner und anderer Raufußhühner). In dieser Zeit bitte den Güterweg benutzen (Hinweisschild vor Ort).

Der Sidestep am Kleinen Bärentrail
Das Naturwunder Arbesberg

Arbesbach hat – neben der Burgruine – noch viele andere Steinjuwelen parat: In Wald und Wiesen verstreut liegende Felsformationen, die zum Entdecken einladen, zum Kraxeln, zum Erholen, zum Bestaunen, frei zugänglich, kostenlos und das zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter. Bei den Steinjuwelen handelt es sich z.B. um die Kuenringerkanzel, den Frauensitz, den Steinkreuzweg, Galgen, Loabstoa, Durchschlupfstein, ums Kreuzstöckl (auch Einsiedlkapelle genannt), Burgstein, Türkenstein, auch der Höllfall zählt hier dazu, den Froschstein, Dachstein, Vogelstein, und eben den Arbesberg.

Die eindrucksvollste Felsformation im Gebiet ist wohl der Arbesberg mit der Klauserhöhle, eine wuchtige Felsburg.

Von der Bundesstraße führt ein Weg hinauf zu dem romantischen Ort mit seinen moosigen Felskolossen, Spalten und Höhlen. Der Arbesberg ist ein veritables, kleines Gebirge, mitten im Wald. Wer trittsicher ist, kann sich ihm behutsam nähern. Er war früher möglicherweise als Kultstätte in Gebrauch. Heute werden dort Waldmessen abgehalten. Auf 895 m Seehöhe hinauf ist es nur ein kurzer Sidestep, den du keinesfalls auslassen solltest, wenn du am Kleinen Bärentrail unterwegs bist. Du findest den Arbesberg in etwa auf halbem Weg zwischen Arbesbach und Altmelon Richtung Süden.

Der Sidestep am Großen Bärentrail
Ein Abstecher zu bizarren Felsformationen
Der Felsengarten

Der „Bärentrail Sidestep Felsengarten“ ist ein Stichweg am Großen Bärentrail für gute 1,5 Stunden Gehzeit und 6,5 km. Du kannst ihn auch extra als Rundweg erwandern. 

Der „Felsengarten“ zwischen Hausbach und Lembach ist ein wunderlicher Ort: Im ganzen Wald verstreut finden sich hier bizarre Felsformationen. Der lichte Nadelwald erinnert ein wenig an nordische Landschaften. Vom Hügel der Burgleiten eröffnet sich ein wunderbarer Ausblick auf die vielfältige Waldviertler Hügellandschaft. Der „Steinerne Torbogen“ ist eine überaus seltene geologische Erscheinung, weil Torbögen normalerweise eher im Kalkgebirge anzutreffen sind. Der Granit-Steinbogen erstreckt sich zwischen zwei großen Felsblöcken. Man kann unten durch und oben drüber gehen. Vom Torbogen blickt man auf den „Wuchtelstein“ hinab, der so aussieht wie er heißt. Man findet hier auch seltsame Auswitterungen, ähnlich wie bei der weiter talaufwärts gelegenen „Gletschermühle“.

Im lichten, heidelbeerreichen Föhrenwald, unweit des Steinernen Torbogens, sind viele bemerkenswerte Granitfelsen zu finden, wie der „Pilzstein“ oder der „Fichtenschluf“. Ein regelrechter Felsengarten eben. Der Bärentrail Sidestep ergänzt den bestehenden Wanderweg und führt durch diese besondere Landschaft.

Die Gletschermühle ist ein ca. 12 Meter hoher Granitturm mit eigentümlichen, muldenartigen Eintiefungen, die an eine Gletschermühle erinnern. Mit der Eiszeit hat die Felsformation aber nichts zu tun: die bizarren Granit-Formen entstanden durch Auswitterung des über 350 Millionen Jahre alten Urgesteinmassivs. „Echte“ Gletschermühlen sind durch Schmelzwasser gebildete, spiralförmige Hohlformen im Eis. Der Rundweg Sidestep Felsengarten ist von hier aus bis zur Gletschermühle markiert und führt dich wieder hier zur Straße zurück.

Jenen mit viel Kraft und Zeit legen wir noch zwei Besonderheiten ans Herz: Wenn du nach der Gletschermühle weiter am 612er nach Norden wanderst, erwarten dich die „Steinerne Stube“ und die „Burgleiten“. 

Die Steinerne Stube ist ein natürlicher Unterstand, wie er für die Granitlandschaft durchaus typisch ist. Auf dem Felsen darüber gibt es sogenannte „Opferschalen“. Früher dachte man, diese seien einst für heidnische Blutopfer aus dem Stein gehauen worden. Doch die Granitschalen im Waldviertel sind natürlicher Herkunft, sie entstanden durch Säure von sich zersetzenden Moosen und durch gefrierendes Wasser. Abfließendes Wasser löste dann die sogenannten „Blutrinnen“ aus dem Gestein.

Die Ruinenanlage auf der Burgleiten wurde wahrscheinlich gegen Ende des 12. Jahrhunderts errichtet. Die Namen von Erbauer und Burg sind unbekannt. Der Wüstungsname „Siebenberg“ und aufgelassene Feldfluren im Umfeld deuten darauf hin, dass sich hier wohl das Zentrum eines Rodungsgebietes befand.